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Warum ein Mahnmal in Kobersdorf?

Erwin Hausensteiner:
Die Entstehungsgeschichte des Mahnmales in Kobersdorf:
Der Anlass zur Errichtung des Mahnmales:

Nach den letzten Forschungsergebnissen waren 219 jüdische Bewohner, Männer, Frauen und Kinder bis 1938 hier wohnhaft oder zumindest gemeldet. Bis zur dritten Maiwoche 1938 waren sie alle vertrieben und ihres Besitzes beraubt. Die genaue Zahl der Ermordeten werden wir wohl nie erfahren. Wir können aber mit einiger Sicherheit die Ermordung 160 KobersdorferInnen annehmen. Jedenfalls sind bis jetzt nur 44 jüdische Einwohner bekannt, die nachweislich überlebt haben. Die Synagoge in Kobersdorf bietet, auch mangels Erhaltung und Renovierung keinen Hinweis auf die Identität der Ermordeten. Daher erschien die Errichtung eines Mahnmales mit der Nennung der Namen und des Wohnorts zur Erinnerung und zum Gedenken angemessen.

2008
Ende November 2008 brachte ich mein Buch „Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Kobersdorf“ heraus. Bald darauf erreichte mich ein Telefonanruf aus Wien, wo sich der Anrufer als DDr. Emanuel Fuchs und Sohn des bekannten Malers und Graphikers Prof. Ernst Fuchs vorstellte. Er erklärte, dass sein Vater immer schon erzählte, sie stammten aus einer jüdischen Familie aus Kobersdorf.

2012
Es begann ein engerer Kontakt zu Professor Ernst Fuchs, der sich sehr für das seinerzeitige Stammhaus der Familie Fuchs in Kobersdorf, Waldgasse 7 interessierte. Dieses Gebäude ist eines der wenigen, die aus der Zeit vor 1938 in ihrem seinerzeitigen Bestand erhalten sind. Im Jahr 2012 besuchte Prof. Fuchs Kobersdorf dann sein Stammhaus. Es war sein Wunsch für Kobersdorf einen Entwurf für ein Mahnmal zum Gedenken an die seinerzeitigen jüdischen Opfer der Shoa zu erstellen.

2013
Im Jahr 2013 machte ich einen entsprechenden Antrag an die Gemeindevertretung, ein würdiges Mahnmal für die 1938 vertriebenen jüdischen Kobersdorfer zu errichten. Vom Gemeinderat wurde ein Arbeitskreis ins Leben gerufen, der im Herbst 2013 detaillierte Vorschläge zum Entwurf von Prof. Fuchs erarbeitete und dem Gemeinderat zur Beschlussfassung empfahl. Das Denkmal sollte auf einem Platz unweit der Synagoge errichtet werden. Die Eigentümerin war bereit, das Grundstück zu einem sehr günstigen Kaufpreis für das Projekt zu verkaufen.

Leider lehnte der Gemeinderat damals die Vorschläge des Arbeitskreises zur Errichtung eines Mahnmales entsprechend dem Entwurf von Professor Fuchs ab. Er fasste jedoch einen „Grundsatzbeschluss“, ein Mahnmal zu errichten. Die Gemeinde könne aber nur einen Betrag von 8000 € dafür zur Verfügung stellen. Damit war der vorliegende Entwurf nicht ausreichend zu finanzieren.

2014
In der Folge gründete ich mit Gleichgesinnten im Jahr 2014 einen Gedenkverein, der es sich zur Aufgabe machte, von sich aus ein entsprechendes Mahnmal lt. Entwurf von Prof. Fuchs und wie vom Arbeitskreis des Gemeinderates vorgeschlagen, zu errichten.

2015
kaufte der Gedenkverein das Grundstück in der Nähe der Synagoge. Da es sich um ein als „Grünland“ gewidmetes Grundstück handelt, war für die Baubewilligung des Mahnmales die Bezirkshauptmannschaft zuständig.

2016
Die Baubewilligung wurde dann im Herbst 2016 erteilt. Sodann wurden die Baumeister- und Steinmetzarbeiten ausgeschrieben und die Leistungen nach den vorliegenden Bestbieteranboten vergeben.

2017
Vom April bis Juni des heurigen Jahres wurden die Arbeiten für die Errichtung des Mahnmales durchgeführt. Hier ist darauf hinzuweisen, dass sich der Sohn vom im Herbst 2015 leider verstorbenen Schöpfer des Entwurfes Prof. Ernst Fuchs, Herr DDr. Emanuel Fuchs, sehr um die sach- und fachgerechte Verwirklichung der Vorstellungen von Prof. Fuchs annahm und an deren Umsetzung wesentlich mitwirkte. Hierfür sind wir KobersdorferInnen ihm wirklich zu Dank verpflichtet.
Die Eröffnung des Denkmales ist für den 3. September 2017 vorgesehen.

Erwin Hausensteiner

Das Heimathaus in Kobersdorf

1848 war das heutige Heimathaus noch als herrschaftliches Försterhaus geführt. 1860 kaufte es die Witwe Theresia von Vogel, geb. Fürst und baute mit ihrem zweiten Ehemann, Friedrich von Osiecki, im Jahre 1863 das Haus im Stile eines Laubenhauses um. Nach deren Ableben erbte die Gemeinde Kobersdorf das Anwesen.

In der Zeit Deutsch-Westungarns wurde das Haus als Zollhaus genutzt. Im Obergeschoss wohnte der Zollamtsleiter mit Familie, im Untergeschoss befand sich Kanzlei und Unterbringung der Zollwachebeamten. Nach Anschluss des Burgenlandes an Österreich (1921) wurde das Haus untervermietet; Gendarmeriebeamter mit Familie, Kindergarten und Gemeindehebamme bewohnten in Folge das Haus bis es durch die Initiative von Herrn Oberschulrat Pogatscher zum Heimathaus wurde, das als kleines Volkskundemuseum seit 1971 geführt wird. Es zeigte vor allem das ländliche Leben mit seinen Zünften, Handwerken, Glaubensrichtungen und Vereinswesen aus den letzten Jahrhunderten.

Im Jahr 2014 wurde das Heimathaus schließlich renoviert, restauriert und revitalisiert. Die Schausammlung präsentiert ein Porträt der Gemeinde, erzählt von ihrer Geschichte und der Geschichte der Ortsteile Kobersdorf, Oberpetersdorf und Lindgraben, aber auch von den Besonderheiten, die die Gemeinde auszeichnen und hervorheben.

Heimathaus

In sechs Räumen wird anhand von über 80 Exponaten und zahlreichen Kartenbildern und Fotos eine Gemeinde vorgestellt, die viele unverwechselbare Besonderheiten aufzuweisen hat und auch touristisch einiges bietet.

Spendenaufruf

DER GEDENKVEREIN KOBERSDORF BITTET UM SPENDEN:

Der Anlass zur Errichtung des Mahnmals war der Wunsch,
der im Jahr 1938 vertriebenen jüdischen Einwohner
der Gemeinde Kobersdorf würdig zu gedenken.
Der Entwurf von Professor Ernst Fuchs erschien für dieses Vorhaben angemessen.

Da der Gedenkverein Kobersdorf sich hauptsächlich aus den Beiträgen seiner Mitglieder finanziert, übersteigen die Kosten für die Errichtung die Einnahmen des Vereins.

Deshalb bitten wir Sie um Spenden auf das
Konto des Gedenkvereins Kobersdorf bei der
Raiffeisenbank Draßmarkt-Kobersdorf-St. Martin
IBAN: AT10 3301 4000 0201 3985
BIC: RLBBAT2E014

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!